Mit jeder Geldanlage treffen wir Entscheidungen – nicht nur für unser Vermögen, sondern auch darüber, welche Unternehmen und Entwicklungen wir unterstützen. Doch wie funktioniert nachhaltiges Investieren? Und welche Rolle spielen Werte, ethische Überlegungen und Rendite dabei?
Das Wichtigste in Kürze
- Wer nachhaltig investieren möchte, sollte die Anlagestrategie eines Fonds genau prüfen.
- Viele Fonds berücksichtigen ESG-Kriterien, also neben Rendite- und Risikogesichtspunkten auch ökologische, soziale und gesellschaftliche Aspekte.
- ESG-Kriterien helfen bei der Unternehmensbewertung, beziehen sich aber nur auf die finanziellen Risiken und Chancen für das Unternehmen. Die Wirkung des Unternehmens auf die Umwelt steht nicht im Vordergrund.
- «Nachhaltige» Fonds müssen in der Schweiz zusätzlich ihren positiven Effekt auf Umwelt und Gesellschaft nachweisen können.
- Wertebasierte Fonds gehen noch einen Schritt weiter und berücksichtigen ethische Grundsätze.
- Die TKB bietet sowohl ESG- als auch nachhaltige Anlagelösungen an. Im Bereich des ethischen Anlegens arbeitet sie eng mit der Schweizer Ethik-Spezialistin Arete Ethik Invest AG zusammen.
Geld anlegen bedeutet auch, Entscheidungen zu treffen
Wer Geld anlegt, verfolgt meist ein klares Ziel: Vermögen aufbauen, für die Pension vorsorgen oder finanzielle Reserven schaffen. Doch jede Investition bewirkt noch etwas anderes.
Mit einer Geldanlage stellen Anlegerinnen und Anleger Unternehmen Kapital zur Verfügung. Sie entscheiden damit indirekt auch, welche Geschäftsmodelle, Produkte und Entwicklungen unterstützt werden.
Genau deshalb interessieren sich immer mehr Menschen für nachhaltige und ethische Geldanlagen. Sie möchten nicht nur wissen, welche Renditechancen eine Anlage bietet, sondern auch, welche Wirkung ihr investiertes Geld entfalten kann.
Warum nachhaltiges Investieren wichtig ist
Nachhaltigkeit ist längst kein Nischenthema mehr. Unternehmen stehen heute vor Herausforderungen wie Klimawandel, Ressourcenknappheit, strengeren regulatorischen Vorgaben oder steigenden gesellschaftlichen Erwartungen.
Gleichzeitig möchten viele Anlegerinnen und Anleger bewusster entscheiden, wohin ihr Geld fliesst. Nachhaltiges Investieren verbindet diese beiden Entwicklungen.
Die Grundidee dahinter ist einfach: Unternehmen, die langfristig verantwortungsvoll handeln, können besser auf zukünftige Herausforderungen vorbereitet sein und damit auch für Anlegerinnen und Anleger interessant bleiben.
Die vier Fragen hinter jeder nachhaltigen Geldanlage:
- Welche Themen sind mir besonders wichtig?
- Welche Geschäftsfelder möchte ich bewusst nicht unterstützen?
- Welche Rolle spielen Ethik und gesellschaftliche Verantwortung für mich?
- Welche finanziellen Ziele verfolge ich mit meiner Anlage?
Nachhaltigkeit ist nicht gleich Nachhaltigkeit
Wer nach nachhaltigen Anlagen sucht, stellt schnell fest: Es gibt nicht die eine Definition von Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeitsstrategien haben viele Facetten. Wir zeigen Ihnen den Unterschied anhand eines Beispiels mit zwei Fonds mit Nachhaltigkeitsbezug:
Der erste Fonds investiert breit in Unternehmen verschiedenster Branchen, wie zum Beispiel in Konsumgüterunternehmen, Industriebetriebe oder Technologiekonzerne. Voraussetzung ist jedoch, dass diese Unternehmen bestimmte Nachhaltigkeitsanforderungen erfüllen. Dieser Fonds schliesst zum Beispiel Firmen mit schwerwiegenden Verstössen gegen Umwelt- oder Sozialstandards konsequent aus. Es gibt aber auch Strategien, die grundsätzlich Waffenhersteller, Tabakproduzenten oder Kohleförderer ausschliessen.
Der zweite Fonds investiert dagegen gezielt in Unternehmen, deren Produkte konkrete Lösungen für ökologische oder gesellschaftliche Herausforderungen bieten. Dazu könnten zum Beispiel Hersteller von Windkraftanlagen, Anbieter von Wasseraufbereitungstechnologien oder Unternehmen aus dem Bereich Energieeffizienz gehören. Dieser thematisch ausgerichtete Fonds weist zudem ein Stewardship-Konzept auf und dokumentiert dieses für die Anleger.
Beide Fonds verfolgen einen nachhaltigen Ansatz. Dennoch setzen sie unterschiedliche Schwerpunkte.
- Der erste konzentriert sich darauf, problematische Geschäftsmodelle auszuschliessen und innerhalb verschiedener Branchen verantwortungsvoll wirtschaftende Unternehmen auszuwählen.
- Der zweite fokussiert stärker auf konkrete Zukunftslösungen und kann deren Wirkung aufzeigen.
Beide Ansätze zeigen, dass Nachhaltigkeit unterschiedlich interpretiert werden kann. Aber nur der zweite Fonds darf in der Schweiz das Prädikat «Nachhaltiger Fonds» gemäss Selbstregulierung der Fondsbranche tragen. Deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen und die Anlagestrategie eines Fonds zu verstehen.
Wie werden Unternehmen für Fonds mit Nachhaltigkeitsbezug ausgewählt?
Wie entscheiden Fondsmanagerinnen und Fondsmanager eigentlich, welche Unternehmen in einen Fonds mit Nachhaltigkeitsbezug aufgenommen werden und welche nicht?
Es gibt verschiedene Ansätze, um Nachhaltigkeit im Anlageprozess zu berücksichtigen. Viele Fonds kombinieren sogar mehrere Methoden miteinander.
1. ESG-Integration:
Systematische Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen in der klassischen Finanzanalyse.
2. Ausschlüsse:
Ausschluss von Unternehmen oder Branchen, die bestimmte ethische, ökologische oder soziale Mindeststandards nicht erfüllen (z.B. Tabak, geächtete Waffen, fossile Energien).
3. Stewardship (Engagement und Stimmrechtsausübung):
Aktive Einflussnahme auf Unternehmen durch Dialog, Aktionärsanträge und Ausübung von Stimmrechten, um nachhaltige Verbesserungen zu fördern.
4. Best in Class / Positive-Screening:
Investition in Unternehmen, die innerhalb ihrer Branche die besten Nachhaltigkeitsleistungen erzielen oder positive Beiträge zu ökologischen und sozialen Zielen leisten.
5. Impact Investing:
Kapitalanlage mit dem Ziel, neben der finanziellen Rendite messbare positive ökologische oder soziale Wirkungen zu realisieren.
6. Thematische Anlagen:
Fokussierung auf nachhaltige Zukunftsthemen wie erneuerbare Energien, Wasser, Gesundheit oder soziale Innovationen.
7. Klima-Ausrichtung:
Ausrichtung des Portfolios an den Zielen des Pariser Klimaabkommens durch Investitionen in Unternehmen mit klimafreundlichen Geschäftsmodellen und Emissionsreduktionen.
Was ESG bedeutet und warum ESG nicht alles beantwortet
Wer sich mit nachhaltigen Anlagen beschäftigt, begegnet früher oder später dem Begriff ESG.
ESG steht für:
Wie geht ein Unternehmen mit Ressourcen, Emissionen oder Umweltrisiken um?
Wie behandelt es Mitarbeitende, Lieferanten oder lokale Gemeinschaften?
Wie transparent, verantwortungsvoll und nachvollziehbar wird das Unternehmen geführt?
ESG-Scores
Sogenannte ESG-Scores quantifizieren die finanziellen Risiken und Chancen, denen ein Unternehmen in den drei ESG-Dimensionen ausgesetzt ist. Diese Kennzahlen geben einen guten Anhaltspunkt, um Unternehmen eines Sektors oder auch Fonds miteinander zu vergleichen. Doch sie beantworten nicht jede Frage.
Als Bank setzen wir uns aktiv für verantwortungsbewusstes Investieren ein. Unsere ESG- und nachhaltigen Anlagelösungen sind darauf ausgerichtet, finanzielle Erträge zu erzielen und zugleich ökologische, soziale und Governance-Kriterien (ESG) zu berücksichtigen. Passend zu Ihren individuellen Bedürfnissen und Präferenzen wenden wir unterschiedliche Nachhaltigkeitsansätze an. In unserem Nachhaltigkeits-verständnis bedeutet nachhaltiges Investieren mehr als nur auf Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung (ESG) zu achten. ESG-Kriterien sind heute bei vielen Fonds ein integraler Bestandteil. Nachhaltige Anlagelösungen gehen jedoch bewusst einen Schritt weiter und verfolgen ein klares Ziel für eine positive nachhaltige Entwicklung. Wir unterscheiden deshalb klar zwischen ESG-Anlagelösungen und nachhaltigen Anlagelösungen:
ESG-Anlagelösungen
- ESG-Kriterien werden systematisch in die Anlageentscheidungen einbezogen.
- Ziel ist es, Anlagerisiken zu reduzieren – aber auch Chancen im Hinblick auf eine exzellente Unternehmensführung zu erkennen.
- Die Anwendung der ESG-Kriterien erfolgt über die Mehrheit der Anlageklassen und eingesetzten Fonds.
Nachhaltige Anlagelösungen
- Kombination mehrerer nachhaltiger Anlageansätze.
- Mindestens ein Ansatz ist verträglich mit einem Nachhaltigkeitsziel oder leistet einen messbaren Beitrag dazu.
- Neben der finanziellen Rendite stehen die positiven Effekte für Umwelt und Gesellschaft im Vordergrund.
Nehmen wir erneut zwei Unternehmen als Beispiel:
- Das erste Unternehmen entwickelt moderne Insulinpumpen und Medizintechnik für Menschen mit Diabetes. Es investiert stark in Forschung, verfügt über hohe Standards bei Arbeitssicherheit und Unternehmensführung und erzielt sehr gute ESG-Bewertungen.
- Das zweite Unternehmen produziert Komponenten für Kernkraftwerke. Auch dieses Unternehmen weist hervorragende Werte bei Umweltmanagement, Arbeitssicherheit und Unternehmensführung auf und kann deshalb ebenfalls gute ESG-Ratings erhalten.
Aus Sicht eines Nachhaltigkeits-Analysten können also beide Unternehmen attraktive Investitionsmöglichkeiten sein. Dennoch könnten Anlegerinnen und Anleger unterschiedliche Meinungen darüber haben, welche gesellschaftliche Wirkung sie mit ihrem Kapital unterstützen möchten. Während einige die Kernenergie als wichtigen Beitrag zur CO₂-Reduktion betrachten, lehnen andere Investitionen in diesem Bereich aus grundsätzlichen ethischen Überzeugungen ab.
Und genau hier beginnt die Diskussion über Ethik.
Wenn Werte Teil des Anlageentscheids werden
Viele Menschen treffen im Alltag bewusste Entscheidungen. Sie achten auf regionale Produkte, nachhaltigen Konsum oder faire Arbeitsbedingungen. Für manche Anlegerinnen und Anleger stellt sich deshalb die Frage: «Sollten ähnliche Überlegungen nicht auch bei Geldanlagen eine Rolle spielen?»
Ethisches Investieren erweitert die klassischen Anlagekriterien um die Perspektive, welche Unternehmen und Entwicklungen man mit dem eigenen Kapital unterstützen möchte.
Dabei können unterschiedliche Wertvorstellungen eine Rolle spielen. Einige investierende Personen legen besonderen Wert auf Umwelt- und Klimaschutz. Andere fokussieren sich stärker auf soziale Gerechtigkeit, faire Arbeitsbedingungen oder verantwortungsvolle Unternehmensführung. Es gibt deshalb nicht die eine ethische Geldanlage. Entscheidend ist vielmehr, dass die angewandten Kriterien transparent und nachvollziehbar sind.
Wie wird Ethik bei Geldanlagen konkret geprüft?
Die entscheidende Frage ist, wie sich Ethik überhaupt beurteilen lässt. Während finanzielle Kennzahlen messbar sind, erscheinen ethische Fragen oft weniger eindeutig. Genau deshalb setzen einige Anbieter – so auch die TKB – auf zusätzliche Prüfverfahren.
Ein Beispiel dafür ist die Schweizer Vermögensverwaltungsgesellschaft Arete Ethik Invest AG (TKB-Magazin). Im unabhängigen Ethik-Komitee von Arete diskutieren Fachpersonen unterschiedlicher Disziplinen, darunter Ethik, Sozialwissenschaften, Umweltwissenschaften und Wirtschaft, über Unternehmen, die für eine Investition infrage kommen. Das Ethik-Komitee von Arete trifft sich regelmässig, um gemeinsam die Unternehmen anhand eines umfassenden Katalogs mit über 200 Kriterien zu beurteilen. Dabei geht es nicht nur um Umweltfragen.
Diskutiert werden beispielsweise:
- Verantwortungsverständnis: wie wird Unternehmensverantwortung gelebt
- Umgang mit Mitarbeitenden und Vergütungssystem
- Problematische Lieferketten (z.B. mögliche Menschenrechtsverletzungen)
- Schutz natürlicher Ressourcen der Prozesse entlang
- Gesellschaftliche Auswirkungen von Produkten und Dienstleistungen
Erst wenn ein Unternehmen die Anforderungen erfüllt bzw. im Prüfkatalog die Mindestpunktzahl von 50 von 100 erreicht, kommt es für eine Investition infrage. Dieses Vorgehen zeigt, dass ethisches Investieren deutlich über klassische Nachhaltigkeits-Ratings hinausgehen kann.
Können nachhaltige Anlagen gute Renditen erzielen?
Die ganz grosse Frage beim Anlegen ist aber die Rendite. Eine der häufigsten Fragen von Anlegerinnen und Anlegern lautet deshalb: «Muss ich für Nachhaltigkeit auf Rendite verzichten?»
Die Antwort ist differenziert. Nachhaltige Anlagen sind keine Garantie für höhere Erträge. Genauso wenig bedeuten sie automatisch tiefere Renditen. Vielmehr hängt die Entwicklung, wie bei anderen Anlagen auch, von den gewählten Unternehmen, Märkten und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab.
Viele nachhaltige Anlagestrategien verfolgen jedoch einen langfristigen Ansatz. Sie berücksichtigen Risiken und Entwicklungen, die in Zukunft an Bedeutung gewinnen könnten. Diese wären:
- Klimarisiken
- regulatorische Veränderungen
- Ressourcenknappheit
- gesellschaftliche Erwartungen
Dadurch können Nachhaltigkeitsaspekte auch aus wirtschaftlicher Sicht sehr relevant sein.
Weiterführenden Informationen zur Anlagephilosophie der TKB:
Fazit: Nachhaltiges Investieren beginnt mit den richtigen Fragen
Jede Geldanlage ist mehr als eine finanzielle Entscheidung – sie ist auch ein Ausdruck dessen, welche Zukunft Sie mitgestalten möchten. Letztlich geht es dabei nicht nur um die Frage, welche Rendite eine Anlage erzielen kann. Sondern auch darum, welche Werte und Entwicklungen man mit seinem Kapital unterstützen möchte.
Wenn Sie herausfinden möchten, welche nachhaltige Anlagelösung zu Ihren Zielen, Ihrer Risikobereitschaft und Ihren persönlichen Wertvorstellungen passt, unterstützen Sie die Beraterinnen und Berater der TKB gerne dabei, die passende Lösung zu finden.
Andrea Unternährer, Spezialistin Anlage- & Vorsorgeprodukte, hat diesen Beitrag gemeinsam mit dem Redaktionsteam erarbeitet. Im Produktmanagement der Thurgauer Kantonalbank entwickelt und optimiert sie Anlage- und Vorsorgeprodukte sowie die dazugehörigen Prozesse. Dabei arbeitet sie eng mit Fachbereichen, IT und externen Partnern zusammen, um kundenorientierte Lösungen zu schaffen. In ihrer Freizeit reist Andrea leidenschaftlich gerne, geniesst Yoga-Einheiten und Wellness-Auszeiten oder besucht im Sommer Open-Air-Veranstaltungen. Im Winter trifft man sie oft in den Bergen, beim Ski fahren, Snowboarden oder im Après-Ski. Mit ihrer offenen und fröhlichen Art sorgt sie sowohl im Team als auch im Freundeskreis für gute Stimmung.