Nach einem langen Arbeitsleben rückt der Ruhestand näher und damit treten auch wichtige finanzielle Entscheidungen in den Vordergrund. Mit der Pensionierung wird häufig eine grössere Summe des Altersguthabens frei, beispielsweise durch den Kapitalbezug aus der Pensionskasse oder der privaten Vorsorge (Säule 3a). Statistiken zeigen, immer mehr Pensionierte entscheiden sich dafür, das angesparte Altersguthaben bei der Pensionskasse als Kapital zu beziehen. Im Jahr 2024 waren es gemäss Zahlen des Bundes bereits 42 Prozent der Neurentnerinnen und Neurentner.
Sie stehen vor der Frage: «Wie soll ich meine Pensionskassengelder anlegen, damit mein Vermögen möglichst lange reicht?» Ein aus finanzieller Sicht sehr gewichtiger Entscheid. Denn die Realität zeigt: Für viele Pensionierte genügen die Leistungen aus der 1. und 2. Säule nicht, um den bisherigen Lebensstandard zu bewahren. Oft erreichen die Renten zusammen weniger als die angestrebten 60 Prozent des letzten Lohnes. Gleichzeitig steigen die Lebenshaltungskosten im Alter häufig an – etwa durch höhere Gesundheits- oder Pflegekosten.
Pensionskassengelder optimal anlegen – die wichtigsten Fragen
Wenn Sie Teile oder das ganze Guthaben aus der Pensionskasse als Kapital beziehen wollen, sollten Sie sich im Vorfeld einige Überlegungen machen. Wer sein Vermögen ausschliesslich auf dem Sparkonto parkt, riskiert langfristig einen schleichenden Kaufkraftverlust durch Inflation. Deshalb kann es sinnvoll sein, sich frühzeitig mit einer passenden Anlagestrategie auseinanderzusetzen und die frei werdenden Vorsorgegelder klug zu investieren.
Stellen Sie sich zunächst folgende Fragen:
- Welche Einnahmen und Ausgaben habe ich nach der Pensionierung konkret?
- Wie könnte ich den Vermögensverzehr planen?
- Welche Anlagestrategie ist die richtige für mich, damit mein Vermögen möglichst lange reicht?
- Will ich das Kapital selbstständig anlegen, eine Anlageberatung in Anspruch nehmen oder eher die Vermögensverwaltung ab delegieren?
Das sind die wichtigsten Fragen für Ihre finanzielle Sicherheit im Alter.
Persönliches Budget als Ausgangspunkt für die Anlagestrategie Ihrer Vorsorgegelder
Wenn Sie Ihre Pensionskassengelder anlegen möchten, sollten Sie zunächst einen Überblick über Ihre finanzielle Gesamtsituation gewinnen. Für Ihre erfolgreiche Pensionsplanung ist das Erstellen eines Jahres-budgets unerlässlich.
Übersicht über Einkommen und Ausgaben erstellen
Ein erster Schritt besteht darin, alle Ihre zukünftigen jährlichen Einnahmen und Ausgaben realistisch einzuschätzen. Machen Sie eine Aufstellung, wie viel Einkommen aus allfälligen Renten und sonstigen Einkünften zu erwarten ist und welche Ausgaben heute und in der Zukunft anfallen werden.
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Zu den Einnahmequellen gehören beispielsweise: |
Dem gegenüber stehen Ihre regelmässigen Ausgaben, etwa für |
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Damit nichts vergessen geht, stellen wir Ihnen ein Budget-Hilfsmittel hier zur Verfügung.
Oftmals übersteigen die jährlichen Ausgaben die Einnahmen: Es kommt zum Vermögensverzehr. Ihr Budget hilft Ihnen zu erkennen, welchen zusätzlichen jährlichen Betrag Sie benötigen und wie viel Kapital Sie erst zu einem späteren Zeitpunkt brauchen. Diesen Teil der frei werdenden Gelder können Sie investieren, um den Lebensstandard im Alter längerfristig zu sichern.
Ihre individuelle Anlagestrategie festlegen
Die durchschnittliche Lebenserwartung ab Alter 65 liegt in der Schweiz für Männer bei 20 Jahren und bei Frauen bei 23 Jahren. Entsprechend sollte Ihre Anlagestrategie auf mindestens 20 Jahre ausgelegt sein. Allerdings sollten Sie auch jederzeit das Drei- bis Vierfache des jährlichen Vermögensverzehrs jederzeit verfügbar halten, als eiserne Reserve auf dem Konto. Für den Zeithorizont über 5 Jahre hinaus sollten Sie an Wertpapieranlagen denken.
Vorsorgeguthaben in Aktien anlegen – für langfristig attraktive Renditen
Zumindest historisch ist sehr gut belegbar, dass Aktien eine deutlich höhere Rendite erwirtschafteten, als es Zinsen auf dem Sparkonto gab. Daran sollte sich inskünftig auch nichts ändern, zumindest, solange Sie die Zeit für sich arbeiten lassen. Wenn Sie in der Lage sind, Ihre frei werdenden Pensionskassenguthaben oder Ihr Kapital aus der 3. Säule in Wertpapieranlagen zu investieren, dann können Sie von potenziellen Kursgewinnen, Dividenden, Zinsen oder Ausschüttungen auf Fondsanlagen profitieren.
Historischer Renditevergleich Sparkonto versus Aktien Schweiz
Seit 1985 (letzte 40 Jahre) erzielte man auf dem Sparkonto eine durchschnittliche Rendite von 1.4 Prozent pro Jahr, bei Schweizer Aktien waren es Renditen in Höhe von 7.7 Prozent pro Jahr.
Über den Anlageerfolg bzw. die Rendite entscheidet vor allem die Höhe der Aktienquote. Diese sollte in Abhängigkeit des Anlagehorizonts festgelegt werden. Wer sein Geld 8 bis 10 Jahre für sich arbeiten lässt, kann in aktienlastige Strategien investieren. In den letzten 100 Jahren war es äusserst selten, dass ein diversifiziertes Schweizer Aktienportfolio über einen Zeitraum von 10 Jahren keine zweistellige Rendite erzielte.
Rollierende 10-Jahres-Performance von Schweizer Aktien 1900–2025
Vor- und Nachteile von Wertpapieranlagen
Vorteile
- Höhere Renditen
Kursgewinne, Dividenden oder Ausschüttungen von Fonds sorgen über die Zeit für höhere Renditen, als Sie mit einem Sparkonto erzielt werden könnten. - Zinseszinseffekt
Das direkte Wiederanlegen von Erträgen aus Anlagen führt dank dem Zinseszinseffekt zu einem signifikanten Vermögenszuwachs. Wir erklären Ihnen im Klartext Finanzen Video, was der Zinseszinseffekt genau ist. - Inflationsschutz
Es hat sich in der Historie immer wieder gezeigt, dass der Erhalt der Kaufkraft des Vermögens nur über Realwerte wie Aktien- oder Immobilienanlagen möglich war.
Nachteile
- Marktrisiko
Investments in Wertpapiere wie Aktien, Fonds etc. können Schwankungen unterliegen, was zu Verlusten führen kann, insbesondere, wenn Notverkäufe getätigt werden müssen. - Langfristige Bindung
Um vom langfristigen Wertsteigerungstrend bei Aktien profitieren zu können, muss das Kapital eine gewisse Zeit lang entbehrlich bleiben. Bei aktienlastigen Strategien sollte deshalb der Zeithorizont mindestens 8 Jahre betragen. - Komplexität
Die Auswahl geeigneter Anlagen ist anspruchsvoll. Um das Verständnis für die Märkte und Anlagemöglichkeiten zu entwickeln, bedarf es Erfahrung, Wissen und Zeit für die Beobachtung.
Vermögen in unterschiedliche Anlage-Töpfe aufteilen
Diese Sicherheitsreserve sollte ausreichend Geld enthalten, um die Ausgaben der nächsten vier bis fünf Jahre zu decken. Er stellt den Verzehrtopf dar für:
- Notgroschen für unerwartete Ausgaben
-
Ausgabenüberschuss
der nächsten Jahre
Dieses Geld sollten Sie auf Ihrem Bankkonto belassen oder in Festgelder bzw. Kassenobligationen mit entsprechend kurzer Laufzeit investieren.
Einen weiteren Teil Ihres frei werdenden Vorsorgevermögens, den Sie die nächsten fünf bis zehn Jahre nicht benötigen, können Sie in Anlagen mit höheren Renditechancen investieren. Dieser «Wachstumstopf» kann investiert werden in:
- ein breit diversifiziertes Wertschriftendepot mit einem Aktienanteil von bis zu 50 Prozent oder
- in einen Strategiefonds mit bis zu 50 Prozent Aktienquote
So kann dieser Teil des Vermögens auch im Ruhestand weiter eine Rendite erzielen und zur Sicherung der Kaufkraft beitragen. Aus diesem Topf füllen Sie dann regelmässig Ihre Liquiditätsreserve – also Topf 1 – wieder auf.
Dieser Wachstumstopf ist für die Zeit in mehr als zehn Jahren gedacht. Hier spielt der Kaufkrafterhalt eine noch grössere Rolle, um Ihre finanzielle Sicherheit zu gewährleisten. Mögliche Anlageformen zu Beginn Ihrer Pensionierung sind langfristige Wertpapieranlagen:
- ein breit diversifiziertes Aktienportfolio
- Aktienfonds mit Schweizer Titeln und Aktienfonds mit internationalen Titeln
- oder andere langfristige Anlagen wie etwa Immobilien
Hierbei liegt der Fokus auf Renditechancen zur Wertvermehrung, um damit den Zeitraum für den Vermögensverzehr weiter zu verlängern.
Im Laufe der Zeit müssen Sie die einzelnen Töpfe immer wieder neu ausrichten. Entweder weil der Verzehrtopf zu klein wird oder sich Ihre persönliche Situation verändert.
Einen Entnahmeplan für Ihr Vorsorgeguthaben erstellen
Viele Pensionierte unterschätzen, wie sinnvoll es ist, einen strukturierten Entnahmeplan aufzustellen. Dabei legen Sie fest, in welchem Rhythmus und in welcher Höhe Sie Kapital aus Ihrem Vermögen beziehen möchten, zum Beispiel monatlich als Ergänzung zu AHV- und Pensionskassenrente.
Ein Entnahmeplan kann besonders dann sinnvoll sein, wenn Sie einen Teil Ihres Vorsorgekapitals – beispielsweise aus der Pensionskasse oder der Säule 3a – nach der Pensionierung weiter anlegen und sich daraus regelmässig ein Zusatzeinkommen auszahlen lassen möchten. So bleibt Ihr Vermögen nicht einfach ungenutzt auf dem Konto, sondern kann weiterhin Renditechancen bieten.
Ein solcher Plan kann Ihnen helfen:
- finanzielle Engpässe zu vermeiden
- regelmässige Beiträge für Ihren laufenden Lebensunterhalt sicherzustellen
- den Vermögensverzehr besser zu planen
- Ihre Einkommenssteuer zu optimieren
- weiterhin Zusatzeinkommen aus Ihrem Wertpapierportfolio zu erzielen
- flexibel zu bleiben, wenn sich Ihre Bedürfnisse im Ruhestand verändern
Ein weiterer Vorteil: Entnahmen aus dem eigenen Vermögen gelten grundsätzlich nicht als Einkommen. Im Unterschied zu Rentenzahlungen kann das steuerlich interessant sein. Welche Lösung für Sie sinnvoll ist, hängt aber immer von Ihrer persönlichen Situation ab.
Wichtig ist, dass die Höhe der Entnahmen zu Ihrer Anlagestrategie und Ihrem Zeithorizont passt. Wer sich zu viel Kapital in zu kurzer Zeit auszahlt, riskiert, dass das Vermögen früher aufgebraucht ist als geplant. Deshalb lohnt es sich, einen Entnahmeplan so zu gestalten, dass er zu Ihrem Budget, Ihrer Lebenserwartung und Ihrer gewünschten finanziellen Flexibilität passt. Mehr Informationen zum Entnahmeplan sowie ein konkretes Berechnungsbeispiel finden Sie hier.
«Der Schlüssel zu einem sorgenfreien Ruhestand liegt unter anderem auch in der klugen Nutzung Ihrer Pensionskassenguthaben – investieren Sie heute für die Freiheit von morgen.»
Vermögen selbst verwalten oder Verwaltung delegieren
Wenn Sie Ihre Pensionskassengelder oder frei werdende 3a-Guthaben für sich am Kapitalmarkt «arbeiten» lassen wollen, stellt sich die Frage, wer die Verwaltung dieser Gelder übernimmt. Wollen Sie das Wertpapierdepot selbst verwalten? Auch im hohen Alter? Allenfalls eine Beratung in Anspruch nehmen? Oder die Verwaltung des Vermögens delegieren? Die TKB bietet Ihnen alle drei Varianten an: Wertschriftendepots mit oder ohne Beratung und die individuelle Vermögensverwaltung. Zu beachten gilt: Selbst wenn man mit 65 seine Anlageentscheidungen noch gerne eigenständig getätigt und umgesetzt hat, im fortgeschrittenen Alter fällt es den meisten doch schwerer. Gut, dass Sie jederzeit zwischen Selbstverwaltung und Delegation wechseln können.
Die 5 wichtigsten Tipps zur erfolgreichen Anlage der Pensionskassengelder
Erfolgreiches Anlegen Ihrer Vorsorgeguthaben bedingt eine strukturierte Planung, die bereits vor Ihrer Pensionierung beginnen sollte. Bei der Anlage der Altersguthaben sollten Sie dann folgende Tipps beachten:
Tipp 1:
Planen Sie mit realistischen Annahmen.
Tipp 2:
Stimmen Sie Ihre Strategie sorgfältig auf Budget und Zeithorizont ab.
Tipp 3:
Bleiben Sie Ihrer Strategie treu und vermeiden Sie emotionale Anlageentscheide.
Tipp 4:
Die Anlagen der Wachstumstöpfe sollten Sie zur Risikominimierung breit diversifizieren.
Tipp 5:
Holen Sie sich professionellen Rat von Fachleuten, denn es geht um Ihre finanzielle Sicherheit im Alter.
Neben der Einkommenssicherung sollten Sie sich auch mit Themen wie möglichen Steuerfolgen, evtl. Ihrer Hypothekensituation oder der Nachlassplanung beschäftigen. Unsere Expertinnen und Experten aus dem TKB Pensionszentrum helfen Ihnen, eine ganzheitliche Sicht auf Ihre Finanzen zu erhalten. Zusammen mit unseren Anlagespezialisten können Sie dann eine auf Ihre persönlichen Bedürfnisse und Ziele abgestimmte Anlagestrategie entwickeln.
Planen Sie das Investieren Ihrer Pensionskassenguthaben frühzeitig
Beginnen Sie möglichst mehrere Jahre vor der Pensionierung mit der Investitionsplanung Ihrer frei werdenden Vorsorgegelder. Wer sich frühzeitig überlegt, wie das eigene Guthaben aus der beruflichen und der privaten Vorsorge angelegt werden soll, hat deutlich mehr Handlungsspielraum.
Früh anfangen ist besonders wichtig, weil Sie dadurch:
- genügend Zeit haben, Ihre Anlagestrategie schrittweise anzupassen
- steuerliche Aspekte wie gestaffelte 3a-Bezüge optimal planen können
- Risiken durch kurzfristige Marktbewegungen reduzieren
- Ihre Vermögensstruktur rechtzeitig auf den Ruhestand ausrichten
Je früher Sie die richtigen Weichen stellen, desto besser lassen sich Chancen nutzen und Risiken eindämmen.
So schaffen Sie eine solide Grundlage, um Ihren Ruhestand finanziell entspannter zu geniessen und sich Ihre persönlichen Wünsche zu erfüllen.
Fazit: Proaktive Planung zahlt sich beim Anlegen der Vorsorgegelder aus
Richtige Entscheidungen sind jetzt wichtig für Ihre finanzielle Unabhängigkeit im Alter. Beschäftigen Sie sich proaktiv mit Ihren frei werdenden Pensionskassengeldern, Ihren Guthaben aus der 3. Säule und deren Anlage. So können Sie die richtigen Hebel in Bewegung setzen, um finanziell besser abgesichert in das neue Lebenskapitel zu starten.
Nutzen Sie dabei die Vorteile einer diversifizierten Anlagestrategie und ziehen Sie professionelle Hilfe in Betracht, um Ihre Ziele zu erreichen. Unsere Expertinnen und Experten im TKB Pensionszentrum unterstützen Sie gerne dabei – vereinbaren Sie gleich einen Termin.
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Karel E. Ehmann, Anlageexperte der TKB und ehemaliger Leiter Investment Center, hat diesen Beitrag gemeinsam mit dem Redaktionsteam erarbeitet. Karel ist seit 2010 bei der Thurgauer Kantonalbank und hat in seiner vorherigen Tätigkeit das neunköpfige Team des Investment Centers der TKB geleitet. Das Investment Center verwaltet Milliardenbeträge in der Vermögensverwaltung und ist für die Beraterinnen und Berater der TKB bei allen Fragen rund ums Anlegen die Anlaufstelle. In seiner neuen Funktion lässt Karel sein profundes Anlegerwissen in die Kommunikationsmassnahmen einfliessen und trägt so zur finanziellen Bildung der TKB-Kundinnen und TKB-Kunden bei. Karel ist in seiner Freizeit vorwiegend in den Bergen unterwegs und hat dank der Pensumsreduktion mehr Zeit, Yoga zu praktizieren und mit seinen erwachsenen Töchtern über die Klimadebatte zu diskutieren.