Der Traum vom eigenen Haus oder von der eigenen Wohnung bleibt ungebrochen. Doch viele junge Familien fragen sich mit Blick auf die steigenden Immobilienpreise: «Können wir uns ein Eigenheim leisten?» Wie realistisch das ist, lässt sich leicht überprüfen.

Ein durchschnittliches Haus mit 6,5 Zimmern kostet im Kanton Thurgau rund 1,2 Millionen Franken. Eine 4,5-Zimmer-Eigentumswohnung kostet je nach Gemeinde durchschnittlich zwischen 730'000 Franken und 870'000 Franken. Das sind Zahlen, bei denen es so manchen jungen Familien, die vom Eigenheim träumen, schwindlig wird. Doch gleich aufgeben?

 

Ob der Traum vom eigenen Haus oder der eigenen Wohnung komplett utopisch ist oder ob er sich auch für eine durchschnittliche Thurgauer Familie erfüllen lässt, kann einfach geprüft werden. In unserem Beispiel schauen wir anhand der fiktiven Familie Güttinger, ob und wie sie ihren Wohntraum verwirklichen kann. Können Herr und Frau Güttinger 20 Prozent des Kaufpreises mit Eigenkapital finanzieren? Und verdienen sie zusammen so viel, dass die Wohnkosten (inkl. Amortisation der Hypothek) nicht mehr als 33 Prozent ihres Bruttoeinkommens ausmachen?

Eine Thurgauer Familie träumt von der Eigentumswohnung

Unsere fiktive Familie Güttinger wohnt zur Miete in einer Wohnung in einer ländlichen Gemeinde im Thurgau, träumt aber schon lange von einem Eigenheim. Vater David (42) ist leitender Angestellter in einem handwerklichen Betrieb und zu 100 Prozent arbeitstätig. Mama Fabienne (37) arbeitet zu 30 Prozent als kaufmännische Angestellte und kümmert sich um die beiden Kinder, Robin (9) und Alessia (7). 

Ihre Traumwohnung: 4,5 Zimmer, 130m2, Terrasse mit Blick ins Grüne und im Idealfall in der Nähe ihres jetzigen Wohnorts im Thurgau. Der Kaufpreis: 727'000 Franken. Um herauszufinden, ob sich Güttingers ihren Wohntraum erfüllen können oder ganz generell überhaupt ein Eigenheim finanzieren, gilt es, die Finanzen der Familie genau zu prüfen.

Langes Sparen fürs Eigenkapital

Rund acht Jahre haben Güttingers für ihr künftiges Wohneigentum gespart – genau so lange, wie dies eine durchschnittliche Schweizer Familie tut. Wie viele Familien, die sich ein Haus oder eine Wohnung kaufen, haben auch Güttingers einen Erbvorbezug bekommen: Fabiennes Eltern haben ihr bereits einen Teil ihres künftigen Erbes ausbezahlt, damit Güttingers mehr Eigenkapital für ihr Eigenheim aufbringen können.

  

Zusammen mit ihren Ersparnissen kommt die Familie so auf rund 80'000 Franken. Dazu kommen rund 67'000 Franken aus der privaten, gebundenen Vorsorge der beiden, also aus der Säule 3a. Reichen diese 147'000 Franken an Eigenmitteln für den Erwerb der Traumwohnung? Aber nicht nur das Eigenkapital ist für die Einschätzung entscheidend – auch das Einkommen der beiden muss berücksichtigt werden.

Stunde der Wahrheit: die Tragbarkeitsrechnung

Diese beiden Komponenten sind für die Berechnung der Kauf- beziehungsweise Wohnkosten relevant:

 

  • Eigenkapital: Mindestens 20 Prozent der Anlagekosten sind als Eigenmittel (Eigenkapital) aufzubringen. Bei Finanzierungen von selbst bewohntem Wohneigentum werden mindestens 10 Prozent echte Eigenmittel zwingend vorausgesetzt, also Gelder, welche nicht aus einem Vorbezug, beziehungsweise einer Verpfändung der 2. Säule (Pensionskasse/Freizügigkeitskonto), stammen.

  

  • Jahreseinkommen: Relevant für die Berechnung der Wohnkosten: Die Belastung aus Verzinsung (zu einem Durchschnittszinssatz von derzeit 4,5 Prozent), Unterhalt und Amortisation sollte nicht mehr als 33 Prozent des Bruttoeinkommens betragen.

Tragbarkeitsrechnung für Familie Güttinger

Hypothekenrechner: Ist das Haus oder die Immobilie nach der Scheidung alleine finanzierbar.
Können wir uns den Traum vom Eigenheim erfüllen?

Ganz einfach selbst berechnen lässt sich die Tragbarkeit mit unserem Hypothekenrechner.

Mit Geld aus der Pensionskasse Eigenkapital erhöhen

Gute Neuigkeiten für Güttingers: Die 4,5-Zimmer-Eigentumswohnung im Thurgau können sie sich finanziell leisten. Dabei hätten sie aber auch noch die Option, ihr Eigenkapital weiter zu erhöhen. Das können sie tun, indem sie ihre Pensionskassengelder entweder vorbeziehen oder verpfänden. Je nachdem, wie viel Geld sie aus der Pensionskasse beziehen können, ist dann vielleicht sogar ein Hauskauf möglich. Schliesslich leben die meisten Thurgauer Eigenheim-Besitzenden in einem Haus (37 Prozent aller Haushalte vs. 10 Prozent, die in einer Eigentumswohnung leben). Das eigene Haus ist im Vergleich zu einer Wohnung aber noch einmal teurer: So kostet ein frei stehendes achtjähriges Musterhaus mit rund 180m2 Wohnfläche im Kanton Thurgau durchschnittlich 1,2 Millionen Franken.

Gebühren, Möbel und Umzug: Zusatzkosten nicht vergessen

Nachdem Familie Güttinger nun weiss, dass sie sich ihre Eigentumswohnung leisten kann, ist es aber noch nicht vorbei mit den Kalkulationen. Wer nämlich beruhigt in die eigenen vier Wände ziehen möchte, sollte sich bewusst sein, dass zusätzlich zu den Kaufkosten auch noch Gebühren bezahlt werden müssen.

  

In unserem Beispiel kämen zum Beispiel rund 5'500 Franken für die Grundbuchgebühren zum Kaufpreis hinzu. Wie sich die Gebühren genau zusammensetzen, erklären wir in unserem Artikel «Wohnung oder Haus kaufen: der umfassende Ratgeber». Und: Es lohnt sich auch, etwas Rücklagen für den Umzug und allfällige Umbauten oder neue Möbel auf der Seite zu haben. So wird der Einzug in die eigene Wohnung noch schöner.