Januar 2026 | Die US-Zollpolitik prägte das Wirtschaftsjahr 2025. Dennoch präsentieren sich die Thurgauer Unternehmen insgesamt in guter Verfassung. Das zeigt die aktuelle TKB-Firmenkundenumfrage.

2025 blies vielen Thurgauer Unternehmen aus mehreren Richtungen ein rauer Wind entgegen: Die bereits zwei Jahre anhaltende Schwäche der deutschen Industrie, die globale Investitionsflaute und die durch die US-Zölle ausgelösten Unsicherheiten führten zu einem Umfeld, das der exportorientierten Wirtschaft zwar Sturm, aber wenig Aufwind bot. Gleichzeitig präsentierte sich der heimische Markt robust und wirkte stabilisierend.

Binnenorientierte Branchen stützen die Entwicklung

Trotz Gegenwind aus verschiedenen Exportmärkten verbesserte sich die Geschäftslage gegenüber dem Vorjahr in allen Hauptbranchen. Über die Hälfte der befragten Thurgauer Unternehmen stuft 2025 als gut ein, wobei die binnenorientierten Branchen besonders herausragen. Die Dienstleistungsbranche kann insgesamt erneut ein erfolgreiches Jahr verbuchen. Der Handel profitierte von einer soliden Konsumnachfrage, das Baugewerbe von einer anhaltenden Nachfrage und niedrigen Zinsen: In diesen Branchen stieg die Auslastung im Jahresvergleich, die Umsätze blieben stabil und der Personalbestand unverändert.

Thurgauer Unternehmen im Grossen und Ganzen zufrieden mit 2025
Beurteilung des Geschäftsjahrs, nach Branche

Industrie bleibt unter Druck

Die Industrie hingegen vermeldete rückläufige Umsätze, geringere Produktionsauslastung und sinkende Gewinne. Über 60 Prozent der Thurgauer MEM-Industrieunternehmen berichten von Umsatzrückgängen. Ausschlaggebend dafür ist mitunter die anhaltend schwache Auslandsnachfrage. In Deutschland, dem wichtigsten Abnehmermarkt der Thurgauer Industrie, kam die Wirtschaft bereits das zweite Jahr in Folge nicht vom Fleck. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie erreichte 2025 neue Tiefpunkte – mit spürbaren Folgen für Thurgauer Zulieferer, die eng in deutsche Wertschöpfungsketten eingebunden sind. Zusätzlich belastete das Zollregime der US-Administration die exportorientierten Unternehmen und verstärkte die bestehende Unsicherheit. 

Geschäftslage verbessert sich branchenübergreifend
Beurteilung des Geschäftsjahrs, nach Branchen, Saldo aus «gut» und «unbefriedigend»

Ausblick stimmt zuversichtlich

Während des Befragungszeitraums wurde das neue Zollabkommen zwischen den USA und der Schweiz bekanntgegeben. Da die meisten Rückmeldungen der Umfrageteilnehmenden vor dieser Mitteilung eingingen, ist die Senkung der US-Zölle von 39 auf 15 Prozent kaum in die Erwartungen für das Jahr 2026 eingeflossen. Die Industrieunternehmen gingen aber bereits ohne Kenntnis dieser Entlastung für das kommende Jahr von steigenden Umsätzen, höheren Gewinnen und einer deutlichen Verbesserung der Auslastung aus. Das neue Zollabkommen dürfte zusätzlich die Wettbewerbssituation der Schweizer Exportunternehmen im US-Geschäft entschärfen und für etwas mehr Planungssicherheit sorgen.

Ausblick stimmt zuversichtlich
Erwartete Entwicklung für das Jahr 2026 im Vergleich zu 2025, alle Branchen

Im Durchschnitt rechnen die Thurgauer Unternehmen mit einer steigenden Auslastung sowie höheren Umsätzen und Gewinnen. Der Personalbestand wird überwiegend als angemessen beurteilt, während die Investitionsbereitschaft weiterhin verhalten bleibt. «Viele Thurgauer Firmen haben in den letzten Jahren gezeigt, dass sie anpassungsfähig und widerstandsfähig sind», sagt Remo Lobsiger im Interview. Aber man dürfe sich nicht blenden lassen: «2026 dürfte anspruchsvoll bleiben – wegen der verzögerten Effekte der Zölle, der Schwäche in Deutschland und einer zu erwartenden Zurückhaltung beim Konsum.»

Fachkräftemangel und Währungssituation belasten

Der Fachkräftemangel bleibt die zentrale Herausforderung. Die Lage dürfte sich allerdings etwas entschärft haben. 45 Prozent der Unternehmen zählen ihn zu den drei wichtigsten Hemmnissen – deutlich weniger als in den Vorjahren. Besonders ausgeprägt bleibt die Problematik im Baugewerbe, wo der Rückgang der Anzahl Lernenden und Pensionierungen den Druck hoch halten. Ein ähnliches Bild zeigt sich im Dienstleistungssektor: Neben dem Fachkräftemangel gewinnen veränderte Kundenbedürfnisse – etwa nach stärker individualisierten oder digitalen Angeboten – für die Unternehmen weiter an Bedeutung.

Top 5 der erwarteten Herausforderungen für die kommenden Jahre
Anteil Nennungen (maximal 3 Nennungen aus einer Auswahl von 15 potenziellen Herausforderungen möglich)

Auch die Währung beschäftigt die Thurgauer Unternehmen – allerdings in unterschiedlicher Ausprägung. Im Gross- und Detailhandel erhöht der starke Franken den Wettbewerbsdruck, weil er Einkäufe jenseits der Grenze für Konsumentinnen und Konsumenten noch attraktiver macht. Jedes zweite Handelsunternehmen sieht sich entsprechend einem wachsenden Preisdruck ausgesetzt. In der Industrie stellt sich das Bild andersrum dar: Für viele exportorientierte Betriebe ist der starke Schweizer Franken die zentrale Herausforderung, da er ihre Produkte im Ausland verteuert und die Wettbewerbsfähigkeit in einem ohnehin schwachen globalen Umfeld zusätzlich belastet.

In ihrer Wachstumsstrategie setzen die Unternehmen weiterhin auf Kontinuität. Zwei Drittel fokussieren auf die Ausschöpfung ihres Kerngeschäfts. Ein Viertel sieht Chancen in Akquisitionen, und rund 23 Prozent erhoffen sich Wachstum durch Digitalisierung, Automation oder Produktinnovationen. Der Einsatz künstlicher Intelligenz wird hingegen von weniger als zehn Prozent der Betriebe explizit als relevante Wachstumschance angesehen.

TKB-Firmenkundenumfrage 2025, Themenbild, Männer bauen Solarmodule ein.

Die Industrie spürt Gegenwind – vor allem im Ausland. Eingetrübt hat sich die Stimmung im Handel, während die Bauwirtschaft und der Dienstleistungssektor auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurückblicken. Erfahren Sie mehr in der Analyse der einzelnen Branchen.

Dieser Artikel wurde durch die IHK St.Gallen-Appenzell in Zusammenarbeit mit der Thurgauer Kantonalbank erstellt. Die Onlinepublikation wird auf der TKB-Webseite veröffentlicht und kann als Newsletter abonniert werden: Newsletter Wirtschaft Thurgau

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