Januar 2026 | Der Detailhandel sowie der binnenorientierte Grosshandel entwickelten sich im vergangenen Jahr robust. Der private Konsum stützt weiterhin, verliert jedoch etwas an Dynamik.
«Geschäftslage gut.» So lautet das Fazit der befragten Thurgauer Gross- und Detailhandelsunternehmen übereinstimmend. Dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt der Blick auf die vergangenen Jahre. Die Stimmung im Detailhandel präsentierte sich zumeist neutral: weder euphorisch noch getrübt. Die Beurteilung des Jahres 2025 fällt somit ungewohnt positiv aus.
Der Grosshandel reagiert hingegen deutlich konjunktursensitiver. So folgte nach der kräftigen Erholungsphase nach der Pandemie eine markante Eintrübung in den Jahren 2023 und insbesondere 2024. Das vergangene Jahr brachte nun eine Bodenbildung: Umsätze, Gewinne und Auslastung haben sich im Durchschnitt nicht weiter verschlechtert. Die Geschäftslage wird in der Folge gar als positiv eingeschätzt. Allerdings ist im Grosshandel eine Zweiteilung zu beobachten: Der binnenorientierte Grosshandel schätzt die Geschäftslage positiv ein, Industriezulieferer wie der Handel mit Maschinen und Ausrüstung beurteilen die Geschäftslage deutlich negativer.
Der Thurgauer Handel zieht ein positives Fazit zum Geschäftsjahr 2025
Beurteilung des jeweiligen Geschäftsjahrs, nach Subbranchen, Saldo aus «gut» und «unbefriedigend»
Für das laufende Jahr zeigt sich die grosse Mehrheit der Gross- und Detailhändler zuversichtlich. Jeder zweite Betrieb rechnet mit einer Umsatzsteigerung, 40 Prozent gehen von einer Gewinnsteigerung aus. Dabei unterscheiden sich die Rückmeldungen zwischen den Gross- und den Detailhändlern kaum.
Stützend wird weiter der private Konsum wirken. Die Löhne steigen in der Ostschweiz im Schnitt schätzungsweise um 0,9 Prozent. Damit wird die prognostizierte Teuerung von 0,5 Prozent deutlich überkompensiert und die Kaufkraft steigt. Demgegenüber wird die Arbeitsplatzsicherheit nicht mehr als ganz so günstig eingeschätzt und die verhaltenen Arbeitsmarktaussichten belasten. Insgesamt büsst der private Konsum leicht an Dynamik ein und wirkt nicht mehr gleich stimulierend wie in den Vorjahren. Das erwartete Wachstum von 1,8 Prozent für das Jahr 2026 liegt allerdings im langfristigen Mittel.
Privater Konsum stützt weiter, wirkt aber etwas weniger stimulierend
Veränderung des privaten Konsums gegenüber dem Vorjahr in %, nominal
* Prognosen
Quelle: KOF Institut ETH Zürich
Als grösste Herausforderung für die kommenden Jahre beurteilen die Thurgauer Gross- und Detailhandelsunternehmen den zunehmenden Wettbewerb. Dieser äussert sich insbesondere in teils intensiven Preiskämpfen. Auch die sich verändernden Kundenbedürfnisse sowie der Fach- und Arbeitskräftemangel werden vom Grossteil der Umfragemitwirkenden als dominante Herausforderungen angeführt. Eine ungenügende Nachfrage – im Vorjahr noch Hemmnis Nummer zwei – wird derweil nur noch von jedem sechsten Unternehmen angeführt.
Entwicklung und Erwartungen im Überblick
| Prognose für 2025 | Effektiv 2025 | Prognose für 2026 | |
| Umsatz | |||
| Gewinn | |||
| Personal | |||
| Auslastung | |||
| Investitionen |
Verwendete Daten
Die für den Text verwendeten Daten stammen, sofern nichts anderes erwähnt, aus der jährlichen Wirtschaftsumfrage der TKB bei Thurgauer Unternehmen. Sie reflektieren ein nicht repräsentatives Spiegelbild der wirtschaftlichen Entwicklung im Kanton Thurgau.
Saldomethode
Der Saldowert entspricht der Differenz der Anteile positiver und negativer Nennungen in Prozent. Beispiel: Bei 40% der Unternehmen ist der Umsatz höher und bei 10% geringer. Das ergibt einen Saldowert von 30%. Die 50% Nennungen für gleichbleibenden Umsatz werden nicht berücksichtigt.