Januar 2026 | Das Thurgauer Baugewerbe hat ein gutes Geschäftsjahr hinter sich. Auch wenn die Gewinne schmaler ausgefallen sind, ist der Umsatz stabil geblieben. Für das laufende Jahr werden Umsatz- und Gewinnsteigerungen erwartet – nicht zuletzt aufgrund vorgezogener Bauinvestitionen hinsichtlich der Eigenmietwertabschaffung.
Die Thurgauer Bauunternehmen blicken zufrieden auf das vergangene Geschäftsjahr zurück. Rund zwei Drittel der befragten Unternehmen bewerten das Jahr 2025 als gut, nur jedes zehnte als schlecht. Diese positive Einschätzung ist unter anderem der robusten Nachfrage nach Wohnraum zu verdanken, die durch das deutlich gesunkene Zinsniveau weiter stimuliert wurde. So befindet sich etwa der Saron-Zinssatz seit dem zweiten Halbjahr 2025 im negativen Bereich, und der Zins für eine 5-Jahres-Hypothek ist wieder fast auf das historisch tiefe Pandemie-Niveau von 2021 gesunken.
Nachfragehemmend dürfte hingegen die Anfang 2025 in Kraft getretene neue Eigenmittelverordnung gewirkt haben, welche zu einer restriktiveren Hypothekenvergabe, insbesondere bei hoch belehnten Bauvorhaben, geführt hat. Insgesamt konnten die Unternehmen ihre Auslastung verbessern, jedoch hat der zunehmende Wettbewerb auf die Margen gedrückt und die Gewinne geschmälert. Die Umsätze und die Investitionen bei den befragten Bauunternehmen haben sich im Laufe des vergangenen Jahres wenig verändert. Allgemein zeigt sich das Ausbaugewerbe zufriedener mit dem Geschäftsjahr 2025 als das Bauhauptgewerbe.
Stabile Entwicklung zum Vorjahr: Thurgauer Bauunternehmen schätzen Geschäftslage positiv ein
Beurteilung des jeweiligen Geschäftsjahrs, nach Subbranchen, Saldo aus «gut» und «unbefriedigend»
Für das laufende Jahr rechnen die Thurgauer Bauunternehmen mit einer Steigerung ihrer Umsätze, Auslastung und Gewinne. Die Abschaffung des Eigenmietwerts dürfte die Nachfrage im Ausbaugewerbe temporär nochmals ankurbeln. Viele Eigenheimbesitzerinnen und -besitzer dürften geplante Ausbauinvestitionen und Renovationen vorziehen, um sie vor dem Inkrafttreten der neuen Verordnung im Jahr 2028 steuerlich abzusetzen. Weniger Bewegung wird bei den allgemeinen Bauinvestitionen erwartet. So prognostiziert die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich basierend auf Daten zu Baubewilligungen nur eine leichte Zunahme der schweizweiten Bauinvestitionen. Im Thurgau erwarten die Bauunternehmen ein konstantes Investitionsniveau.
Top-5 der erwarteten Herausforderungen für die kommenden Jahre im Baugewerbe
Anteil Nennungen in % (maximal 3 Nennungen aus einer Auswahl von 14 potenziellen Herausforderungen möglich)
Der Fach- und Arbeitskräftemangel bleibt weiterhin die grösste Herausforderung für das Thurgauer Baugewerbe. Allerdings hat sich dieser im Vergleich zu den Vorjahren etwas entschärft. Nannten 2023 noch 75 Prozent der Unternehmen den Arbeitskräftemangel als eine der dominanten Herausforderungen, ist es aktuell noch knapp die Hälfte der Betriebe. Der Personalbestand hat sich 2025 kaum verändert und auch für 2026 erwarten die Bauunternehmen ein konstantes Niveau. Folglich gelingt es den Unternehmen, die vorhandenen Arbeitskräfte noch effizienter einzusetzen, was sich in der gesteigerten Auslastung spiegelt. Weitere Herausforderungen für die kommenden Jahre dürften veränderte Kundenbedürfnisse, die Zunahme von Regulierungen und Wettbewerb sowie eine ungenügende Nachfrage sein. Als Wachstumschance sehen die Bauunternehmen in erster Linie die Ausschöpfung ihres Kerngeschäfts sowie Akquisen von anderen Betrieben.
Entwicklung und Erwartungen im Überblick
| Prognose für 2025 | Effektiv 2025 | Prognose für 2026 | |
| Umsatz | |||
| Gewinn | |||
| Personal | |||
| Auslastung | |||
| Investitionen |
Verwendete Daten
Die für den Text verwendeten Daten stammen, sofern nichts anderes erwähnt, aus der jährlichen Wirtschaftsumfrage der TKB bei Thurgauer Unternehmen. Sie reflektieren ein nicht repräsentatives Spiegelbild der wirtschaftlichen Entwicklung im Kanton Thurgau.
Saldomethode
Der Saldowert entspricht der Differenz der Anteile positiver und negativer Nennungen in Prozent. Beispiel: Bei 40% der Unternehmen ist der Umsatz höher und bei 10% geringer. Das ergibt einen Saldowert von 30%. Die 50% Nennungen für gleichbleibenden Umsatz werden nicht berücksichtigt.