Aufschwung und Hochkonjunktur 1947-1973

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzt ein lang anhaltender Aufschwung ein, der als «Wirtschaftswunder» in die Geschichte eingeht. Trotz Hochkonjunktur bleiben die Zinssätze bis Anfang der 1960er-Jahre stabil, ziehen danach aber an. Aufgrund der intensiven Bautätigkeit steigt die Nachfrage nach Hypotheken. Die Bilanzsumme der TKB wächst kontinuierlich und übersteigt 1961 die Milliardengrenze. Die Kundenstruktur verändert sich: Industrie und Gewerbe investieren kräftig in Ausbauten, die private Wohnbaufinanzierung gewinnt an Bedeutung. Im Gegenzug sinkt der Anteil der Landwirtschaft am Hypothekar- und Kreditgeschäft stetig. Im Finanzmarkt verliert der kantonale Bezugsrahmen zugunsten nationaler und internationaler Märkte an Gewicht. Die TKB reagiert darauf, indem sie sich um eine gute Verankerung im ganzen Kanton bemüht.

 

Thurgauer Löwe mit Schlüssel

1960 führt die TKB erstmals ein eigentliches Signet ein: Ein Thurgauer Löwe, in Anlehnung an das Kantonswappen; der Schlüssel als Symbol für Sicherheit. Das Signet prägt den Auftritt der Bank bis 1987.

Bild: Erstes Logo der Thurgauischen Kantonalbank.

Computer halten Einzug

In den 1960er-Jahren ist der Arbeitsmarkt ausgetrocknet. Wie in vielen Branchen setzen auch die Banken auf technische Rationalisierungen, um Personalengpässen zu begegnen. Ende 1966 richtet die TKB die erste EDV-Anlage ein. Mittels Lochkarten und Magnetbändern können einzelne Schritte in der Buchhaltung automatisiert werden. 1973 werden die Filialen über das Telefonnetz an das Rechenzentrum angebunden. Mittels «Datenfernverarbeitung» können sie Buchungen nun ohne Umweg über den Hauptsitz vornehmen.

Bild: Lochkarte mit Magnetband. 1972.

Neubau in Weinfelden

1962 fällt nach mehrjährigen Abklärungen der Beschluss, das bisherige Bankgebäude in Weinfelden durch einen Neubau zu ersetzen. Es ist keine einfache Entscheidung: Mehrere Expertisen sind zum Schluss gekommen, dass der Altbau den Anforderungen nicht mehr entspreche und ein Umbau für die damaligen Bedürfnisse unmöglich sei. Im April 1966 beginnt der Abbruch und die TKB zieht in ein Provisorium um. Ende August 1969 kann der markante Neubau der Architekten Tanner & Lötscher bezogen werden. Die TKB lädt die Bevölkerung zu einem Eröffnungsfest. Im Weinfelder Neubau steht den Kundinnen und Kunden der erste Bancomat im Thurgau zur Verfügung.

Bild: Bankgebäude, Bankplatz 1. 1969.

Banküberfall in Erlen

Einen Banküberfall dokumentiert das Protokoll der Bankvorsteherschaft erstmals 1961. Am 17. Februar 1961 überfällt ein Mann die Einnehmerei Erlen mit einer Revolver-Attrappe. Nach einem Handgemenge flüchtet er ohne Beute und wird nach kurzer Zeit gefasst. Ob es sich dabei um den ersten Banküberfall in der Geschichte der TKB handelt, bleibt offen. Im ländlichen Thurgau der sechziger Jahre sind solche Überfälle jedoch eine Seltenheit.

Bild: Zeitungsausschnitt "Thurgauer Tagblatt" vom 21.02.1961.

Jubiläums-Stiftung im Dienst der Bevölkerung

Im Interesse der Thurgauer Bevölkerung engagiert sich die TKB für die Förderung gemeinnütziger und kultureller Anlässe und Projekte. Im Jubiläumsjahr 1971 äufnet sie eine halbe Million Franken für den Jubiläums-Fonds, der 2003 in die «TKB Jubiläums-Stiftung» umgewandelt wird. Ebenfalls aus Anlass des 100-Jahr-Jubiläums spendet die TKB dem Kanton zusätzlich eine Million Franken für das geplante Kunsthaus. Dieses wird 1976 in der Kartause Ittingen eröffnet.

Bild: Anstecknadel zum 100-Jahr-Jubiläum.

Mundart im Bankrat

Bis in die 20er Jahre hinein sind die Protokolle des Bankrates und des Bankausschusses von Hand geschrieben. Danach werden sie mittels Schreibmaschine verfasst. Neben den technischen Umbrüchen gibt es auch sprachliche Veränderungen: Es muss davon ausgegangen werden, dass Sitzungen bis in die 1970er Jahre in hochdeutsch gehalten wurden. Dies ist jedoch nicht ungewöhnlich: Auch in vielen Parlamenten war es einst üblich, hochdeutsch zu diskutieren, um den Protokollführern die Arbeit zu erleichtern. Am 15. Juni 1971 beschliesst die Bankvorsteherschaft ausdrücklich, die Sitzungen künftig in Mundart durchzuführen.

Bild: Handgeschriebenes Protokoll Bankvorsteherschaft. 1927.